Nicole König Film + Fotografie

Hirsholmen, Berlin 2006, Farbfotos

Wir begrüßen uns zu Beginn der Überfahrt. Die Fähre ist klein, für maximal zwölf Passagiere. Diesmal sind es zwei Einheimische und wir, die Gäste. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir kaum, was uns jenseits erwartet. Selbst das Ausmaß der Insel ist unbekannt. Nach Verlassen des Hafens wird der böige Wind spürbar. Die aufgewühlte See stürzte das Boot mal um mal in die Wellen. Es ist Anfang März und eisig, die Gischt gefriert an Deck. Der Zigarettenrauch der Seefesten in der Kajüte und Furcht vor Übelkeit treiben uns hinaus in die Kälte. Eine Wasserwand rollt dem Bug entgegen, um ein Haar wäre das Gepäck über Bord gerutscht. Wir klammern uns an die Reeling.
Früher verließen die auf der anderen Seite ihre Häuser und sonntags die Kirche, wenn sie ein Schiff in Seenot erspähten. Sie sattelten ihre Pferde und schnallten ihnen Lampen unter die Bäuche. So galoppierten sie durch die Dünen, auf und ab, ab und auf. Vom Meer aus sah man die schwankenden Lichter. Der Kapitän glaubte ein anderes Schiff zu erkennen und hielt darauf zu. Unvermeidlich knirrschte es wenig später. Schiffsbruch. Ein leichtes, das nun wehrlose Wrack zu kapern und plündern. Zum Lebensunterhalt.