Nicole König Film + Fotografie

Holy Land, Berlin 2008, Farb- und SW- Fotos

Mittwoch, den 4. Juli, wollen wir abreisen, doch als wir den Flughafen erreichen, startet die Maschine gerade. Der Flug wurde um drei Stunden vorverlegt, wir kommen zu spät. Donnerstag. Endlich offeriert das Reisebüro einen Alternativflug für Freitag. Die Koffer sind gepackt, die Wohnung ist geputzt, der Kühlschrank leer. Wir gehen ins Museum, danach zur Falafel- Bude. Ich habe die “le monde” gekauft und lese den Artikel über die Befreiung Alan Johnstons in Gaza. Der marokkanische Besitzer des Lokals spricht uns an. Ein Disput über die palästinensische Frage beginnt. Der Mann in Levis empört sich über die unverhältnismäßige Aufmerksamkeit für eine westliche Geißel im Vergleich zu Hunderten unbeachteter palästinensischer Gefangener. Auch über die Einstellung europäischer Hilfszahlungen an die Hamas. Ich sage, dann müssen sie eben Israel anerkennen. Darauf er: wenn jeder Araber einen Eimer Wasser in die Hand nehme und ausleerte, dann würden die Juden von der Erdoberfläche weggespült.
Freitag. Beim Abendessen über den Wolken bietet uns ein älterer Herr seinen Nachtisch, Humus, an. In fließendem Deutsch erzählt er, er sei in Warschau geboren. Als Kinder habe er sich nach der Flucht aus dem Ghetto quer durch Europa geschlagen. Nach über 60 Jahren sei er zum ersten Mal zurück. In Polen ein Flüstern: da sind sie wieder. Im Berliner Reichstag ein Aufseher, der “Raus!” schnauzt. Auf unsere Bitte hin übersetzt der Mann einige Vokabeln ins Hebräische. Dabei macht er uns auf das hohe Alter der Schrift aufmerksam, die von rechts nach links läuft, weil sie für Hammer und Meißel gebildet wurde, nicht für Papier und Feder. Er lädt uns in sein Haus nach Haifa ein. Zum Schluß sagt er: in Deutschland ist das Problem noch nicht so gravierend, aber Ihr bekommt es auch. Bald wird es nur noch Moslems geben.